





Liebe Gemeinde,
in unserem Pfarrgarten in Aschau wächst viel Bärlauch. Ich esse Bärlauch
nicht besonders gerne. Natürlich weiß ich, wie gesund er ist, aber er
schmeckt mir einfach nicht. Da niemand den Bärlauch pflückt, wuchert er
fröhlich im Garten. Was ich aber beim Bärlauch besonders gerne mag,
sind seine hübschen weißen Blüten. Knospen und Blüten kann man wohl
auch essen, aber ich schaue sie viel lieber an. Kleine weiße, zarten Blüten,
die fast untergehen neben den roten und gelben Tulpen. Aber in ihrer
Fülle erobern sie sich den Garten.
Manchmal ist es das Kleine, das Unscheinbare, das so nebenbei geschieht
und das uns gerade deshalb besondere Freude bereitet.
Für dich ist das nicht schön, wenn jemand einfach sagt für dich.
Manchmal malen Kinder ein Bild im Religionsunterricht und geben es mir
am Ende der Stunde mit den Worten für dich. Ich freue mich sehr über
diese kleinen Bilder, die für mich gemalt wurden.
Wenn ich einen Gottesdienst besuche, dann merke ich, dass es auch dort
viele Stellen gibt, an denen ich dieses für dich höre.
Bei der Predigt, denke ich manchmal, jetzt spricht er oder sie gerade nur
für mich.
Beim Abendmahl höre ich: für dich gegeben. In einem kleinen Stück Brot
und in einem Schluck Wein oder Saft kommt Gott mir ganz nah.
Und beim Segen am Ende des Gottesdienstes höre ich es wieder
Der HERR segne dich und behüte dich;
der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig;
der HERR hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden.
Gott begegnet mir immer wieder in kleinen Dingen, im Alltag, manchmal
ganz unscheinbar und doch immer wirksam. Er begegnet mir im Bärlauch,
im Kinderbild, er stärkt mich durch gute Worte und in der Feier des
Abendmahls, und er verspricht mir seine Begleitung.
Ich darf dieses für dich hören und annehmen. Und ich hoffe, dass ich
nicht vergesse, es auch an andere weiterzugeben: Für Dich!
Pfarrerin Betina Heckner