Liebe Gemeinde,

das Schöne an Gemeindebriefen ist ja, dass sie der Zeit immer etwas voraus sind - so entstehen diese Zeilen in der Karwoche und sollen am Ende doch etwas mit Pfingsten zu tun haben, dem nächsten großen Glaubens-Fest
nach Ostern. Und da Vikarinnen und Pfarrerinnen meistens ihr Jahr bekanntermaßen anhand des Kirchenjahres strukturieren, kommt es mir tatsächlich ein wenig so vor, als würde ich Ostern überspringen ... gut, dass mich die kommenden Gottesdienste an Gründonnerstag, Karfreitag und Ostersonntag mit der Osternacht bald ganz nah an die Frohe Botschaft Osterns bringen werden: Er ist wahrhaftig auferstanden! Mit Worten ist diese Entdeckung der Auferstehung kaum zu greifen der Tod hat seine Macht verloren, dem Himmel kommen wir nah, wenn wir an Christus glauben: Als Weg und als Wahrheit und als Inbegriff des Lebens durchbricht er die Grenzen von Leben und Tod und durchbricht damit auch all unser Verstehen. Unsere Worte finden ihr Ende, wenn wir die Auferstehung erklären wollen: Das leere Grab, so manche Leerstelle in uns selbst - vielleicht st es besser, sie nicht gleich mit Worten anfüllen zu wollen. Ein Philosoph sagte einmal: Die Grenzen unserer Sprache sind die Grenzen unseres Denkens was wir nicht aussprechen können, davor stehen wir stumm. Die Sprachlosigkeit, die sich in die Osterfreude mischt, begleitet uns auch noch ein Stück an den Sonntagen, die auf Ostern folgen: Quasimodogeniti, Misericordias Domini, Jubilate, Kantate, Rogate, Exaudi - Ihre Namen bebildern die 50 Tage bis Pfingsten: Wie neugeborene Kinder sollen wir das Erbarmen Gottes feiern, sollen davon singen und dafür beten im Vertrauen darauf, dass Gott uns hört so könnte eine freie Übertragung dieser Sonntage lauten. Und dann: Das Pfingstfest, Geburtststunde der Kirche heißt es. Da entspringt aus der babylonischen Sprachverwirrung auf einmal das Wunder des gegenseitigen Verstehens. Da sind die Grenzen unserer Sprache dann gerade nicht mehr die Grenzen unseres Denken-Könnens im Gegenteil! Ein Brausen kam auf sie herab, heißt es in der Apostelgeschichte, und die Menschen hörten die anderen in der eigenen Sprache sprechen, obwohl sich in Jerusalem Leute aus den unterschiedlichsten Ländern versammelt hatten. Die Kraft, das Feuer, der Windstoß, der die Menschen erfasst hatte, ließ die Sprachlosigkeit angesichts der Auferstehung in ein Verstehen übergehen. Man kann die Auferstehung nicht mit Worten begreifen und erklären. So wie man den Glauben an sie nicht letztgültig erklären und versichern kann. Aber im gegenseitigen Verstehen, da gewinnt der Glaube Gestalt, der die Menschen im Geist Gottes verbindet. Der Glaube an Gott, den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist, wird greifbar in der Gemeinschaft, die diesen Glauben miteinander teilt. Aus diesem Geist ist unsere Kirche entstanden.

Ich wünsche Ihnen eine gesegnete und geisterfüllte Zeit, Ihre Vikarin Sabrina Hoppe!