Liebe Gemeinde,

unsere Friedenskirche ist jeden Tag geöffnet, jeden Tag kommen Urlauber wie Einheimische in die Kirche. Sie freuen sich über das Angebot einen Raum zu haben, um still zu werden, durchzuatmen, zur Ruhe zu kommen, ein Gebet zu sprechen. Vielleicht zünden sie eine Kerze an für den Frieden oder für einen Menschen, um den sie sich sorgen. Unsere Gästebücher sind ein Zeugnis dafür, wie sehr Menschen eine offene Kirche schätzen: „Danke für diesen wunderbaren Raum. Danke für die Ruhe. Danke für meine Familie. Danke für den Frieden bei uns! Lass bitte alles gut werden und schenke uns Gnade.“

Vielleicht ist der tiefste Grund, warum Menschen eine Kirche aufsuchen: die Sehnsucht nach Frieden. Viele Menschen kommen zu uns, weil sie genau das suchen oder dafür danken, Frieden: Frieden in ihrem Leben und Frieden in der Welt.

Meinen Frieden gebe ich euch!

So steht es auf dem letzten Querbalken vor dem Altar unserer Friedenskirche. Ein Vers, der Mut macht und der für die Gemeinde in Aschau und Bernau noch eine ganz besondere Bedeutung hat, denn die Friedenskirche wurde an Pfingstmontag 1941 eingeweiht, also mitten im Krieg! Dieser Vers ist für mich ein klares Bekenntnis der damaligen Verantwortlichen und der Gemeinde für den Frieden, für den Frieden in der Welt und es ist ein Bekenntnis zu Jesus, der einen Frieden schenkt, der diese Welt übersteigt.

Den Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt. Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht. (Johannes 14,27)

Frieden ist die bleibende Gabe Jesu an seine Jünger, wo der Geist Jesu Christi wirkt, breitet sich der Friede Gottes aus. Ich kann mit den Bruchstücken meines Lebens leben, weil Gott ein Ganzes daraus macht. Ich kann auf andere Menschen zugehen, weil sie Gottes Kinder sind wie ich. Ich bin mit Gott im Reinen, weil er ja zu mir sagt. Jesus schenkt den Frieden, der trägt, wenn ich den Boden unter den Füßen verliere. Dieser Friede tröstet, wenn ich Angst habe. Gerade darum gilt: „Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht!“

Auch wenn dieser Friede erst in der neuen Welt Gottes vollendet sein wird, ist er nicht weltfremd, das betonten die Christinnen und Christen vor 75 Jahren.

Uns immer wieder auf diesen Frieden zu verlassen und ihn zu leben, daran erinnert uns bis heute die Friedenskirche. Wir können das tun in unseren Gottesdiensten, in unseren Veranstaltungen, in unserem Miteinander und in unserem Einsatz und Schutz für Menschen, die auf der Flucht sind vor Krieg und Terror unserer Tage.

Und der Friede Gottes, der uns umfängt, heute und allezeit, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus.

Ihre Pfarrerin Betina Heckner