
... so beginnt der dritte Artikel unseres Glaubensbekenntnisses. Wir sprechen diese Sätze in nahezu jedem Gottesdienst. Pfingsten ist dann immer ganz nahe, das Feuer, die Glut, die rote Farbe dieses Tages, die Menschen in Bewegung gesetzt hat und bewegt. Die Apostel sind aus ihren Räumen hinausgegangen und konnten es nicht mehr für sich behalten: was von Gott her gesagt ist in den Schriften des Mose und der Profeten und der Psalmen, das gilt. Viele sind ausgezogen und haben die Geschichte Gottes erzählt. Der Geist bewegt: So viele lassen sich bis heute bewegen, treu zu den alten Schriften, treu zu den Hoffnungen und Verheißungen, die helfen, das Leben wieder annehmen zu können. Dieser Heilige Geist ist tröstlich, denn er wirkt den Glauben, nicht ich selbst, nicht irgendjemand. Der Heilige Geist ist ein Freigeist und ein frei machender Geist.
Im Glaubensbekenntnis schließt sich sogleich an, „die heilige christliche Kirche“. Also „an die Kirche glauben“? Da kommt schnell Widerstand. Einerseits zu Recht. Niemand muss an die Organisation, wie sie sich in München in der Katharina von Bora Straße zeigt, glauben. Und doch möchte ich zu Pfingsten eine Lanze für diese Aussage brechen. Kirche – das hat zu tun mit Traditionen, mit gottesdienstlichem Ritual, mit Liturgie. Dem Protestantismus stünde gut an, in den hergebrachten liturgischen, gottesdienstlichen Traditionen den Heiligen Geist wirken zu sehen und zu glauben.
Der Heilige Geist weht, wo er will, das hilft gegen Verkrustungen. Wenn heute kirchliche Gruppen überhaupt wieder den Heiligen Geist entdecken, dann oft mit den Folgen, wieder begeisterter zu predigen, zu glauben, zu bekennen. Aber der Heilige Geist bindet sich auch. Wie wir in der Regel keine Mühe haben, ihn in Lebensläufen von Menschen zu entdecken, warum nicht auch in den hergebrachten gottesdienstlichen Ritualen und Liturgien? Insofern also „ich glaube … an die heilige christliche Kirche“?
Unterstellen wir einmal unserer gewordenen Liturgie des Gottesdienstes, dass sie geistgewirkt ist: Könnte das helfen, die Schönheit des allsonntäglichen Gottesdienstes (wieder-)zu entdecken und aufzuspüren? Denn in der Tat, da gibt es so viele Schätze, Reichtümer und Schönheit. Ich möchte mich mit Ihnen auf Entdeckungsreise begeben. Den Heiligen Geist in unserer Mitte wissend – frei, wo er wehen will, und frei, sich zu binden an das, was unsere Väter und Mütter für wert erachtet haben.
Ein gesegnetes Pfingstfest Ihr Pfarrer Jürgen Müller